Objekt des Monats

Das Landesmuseum Heidecksburg bewahrt in seinen 14 Sammlungen zehntausende Objekte. Wie in Museen üblich kann nur ein Teil dieser Sammlungen ausgestellt werden.

Als "Die Objekte" werden besondere Sammlungsbestände der Heidecksburg gewürdigt. Hierzu gehören Neuanschaffungen, besonders schöne und historisch interessante Objekte oder aber auch restaurierungsbedürftige Sammlungsbestände.

 

Gräfin Aemilie Juliane als Lammesfreundin

Der Rudolstädter Hof unter Graf Albert Anton von Schwarzburg-Rudolstadt (1641-1710) war maßgeblich von den Glaubens- und Lebensvorstellungen des als Pietismus bezeichneten protestantischen Erneuerungsbewegung im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts geprägt. Großen Anteil daran hatten der Generalsuperintendent Justus Söffing (1624-1695) sowie der Jurist und Theologe Ahasverus Fritsch (1629-1701), der 1676 in Rudolstadt die „fruchtbringende Jesusgesellschaft" mitbegründete.

Die nachhaltigste und überregional bedeutsamste Ausstrahlung besaßen in diesem Zusammenhang die Liederdichtungen der Gräfin Aemilie Juliane von Schwarzburg-Rudolstadt, geb. Gräfin von Barby (1637-1706), die wohl als eifrigste Vertreterin dieser Geisteshaltung am Rudolstädter Hof bezeichnet werden kann. Ihre Dichtungen sind beispielhafte Zeugnisse einer tiefen Religiosität sowie deren Tugendverständnis und fanden bereits von Zeitgenossen Anerkennung. So enthalten drei Kantaten Johann Sebastian Bachs ausgewählte Strophen aus „Wer weiß, wie nahe mir mein Ende". Dieser Liedtext und „Bis hierher hat mich Gott gebracht" finden sich zudem bis heute in den evangelischen Gesangbüchern. Aemilie Juliane hat von frühester Jugend an bis zu ihrem Tode etwa 600 Kirchenlieder und mehrere hundert Prosa- und Reimgedichte verfaßt. Die durchaus auch autobiographisch geprägten Verse zeugen von zahlreichen Schicksalsschlägen und Krankheiten. Der / Freundin des Lammes / Geistlicher / Braut=Schmuck... J. H. Löwens. Hofbuchdruckerei Rudolstadt 1742. Schloßbibliothek,
 Rud. Drucke 59Trost fand sie in einer tiefen Jesus-Bezogenheit, die sich in ihren letzten Lebensjahren mit Todessehnsucht vereinte. Ihr Selbstverständnis läßt sich beispielhaft am Titelkupferstich, gefertigt von J.C. Sysang nach einem verschollenen Gemälde von Seivert Lammers, in „Der / Freundin des Lammes / Geistlicher / Braut=Schmuck..." ablesen: Aemilie Juliane verstand sich als „Braut des Lammes". Das Lamm steht für die Verkörperung des „Gefährten" Jesus Christus, der sie als Bräutigam nach ihrem Tode zur Hochzeit erwartet. Allegorisch stellt ihr dichterisches Werk den „Braut-Schmuck" dar, den sie in Hinblick auf die himmlische Erlösung einzubringen gedachte.

Der / Freundin des Lammes / Geistlicher / Braut=Schmuck, / Welcher von Derselben, / Zu Christlicher Vorbereitung / auf die / Hochzeit des Lammes, / In / Lieder, Gebete und Seuffzer / verfasset, und im Jahre 1714. zum erstenmahl / zum Drucke übergeben,.... gedruckt bei J. H. Löwens. Hofbuchdruckerei Rudolstadt 1742. 2. veränderte Auflage des Titels, die sich laut Vorwort von Nicolaus North im Gegensatz zur 1. Auflage erstmals auf die Texte konzentriert, die ausschließlich von Aemilie Juliane stammen. Ganzlederband, 424 S.. Titelkupferstich von J.C. Sysang zeigt Aemilie Juliane (nach einem verschollenem Gemälde von Seivert Lammers). 19,8 x 12 cm Schloßbibliothek, Rud. Drucke 59

Die Leichenpredigt, die das Trauerzeremoniell für die Gräfin Aemilie Juliane von Schwarzburg-Rudolstadt dokumentiert, ist die erste große und illustrierte gedruckte Funeralschrift der Schwarzburger. Sie zeugt zugleich von der Druckleistung der 1663 von Kaspar Freyschmidt in Rudolstadt gegründeten Hofbuchdruckerei. Johann Nicolaus Marchand (1680-1711),
 Traueraltar in der Stadtkirche für Aemilie Juliane von Schwarzburg-Rudolstadt,
 Kupferstich,
 1706,
 Inv.Nr. Gr 1711/65Zu dem 372 Seiten umfassenden Druck im Folioformat gehören vier Kupferstiche, die die Trauerdekoration in der Stadtkirche zu Rudolstadt zeigen. Die Kupferstiche sind so groß, daß sie mehrfach gefaltet werden mußten, um sie dem Format des Druckes anzupassen. Ein Blatt zeigt den Traueraltar in der Stadtkirche Rudolstadt mit einem Gemälde, auf welchem Aemilie Juliane mit dem Lamm Gottes im Arm, dargestellt ist. Der Hofmaler Seivert Lammers (1648-1711) hatte um 1680 ein Ölgemälde mit dem Titel „Aemilie Juliane als Lammesfreundin" gefertigt. Es gilt als verschollen.

Schwartzburgisches Denckmahl einer Christ-Gräflichen Lammes-Freundin/ nehmlich Der Hochgebohrnen Gräfin und Frauen Fr. Aemilien Julianen, Gräfin zu Schwartzburg und Hohnstein ... von Dero den 3. Decembr. 1706/ im Glauben an das Lamm Gottes erfolgten Hochsel. Ableben an ... durch unterschiedliche/ auf Hohen Befehl und Gnädigste Anordnung gehaltene Gedächtnis-Predigten, Leich-Reden und Trauer-Music ... zur Ehre Gottes auffgerichtet/ und nun durch den Druck bekannt gemacht. Rudolstadt: Heinrich Urban, [ 1707].Historische Bibliothek der Stadt Rudolstadt, Sign.: Fun. div. XVIII


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Buchtipp

Buchcover: Schloss Heidecksburg. Die Sammlungen

Schloss Heidecksburg.
Die Sammlungen

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