Objekt des Monats

Das Landesmuseum Heidecksburg bewahrt in seinen 14 Sammlungen zehntausende Objekte. Wie in Museen üblich kann nur ein Teil dieser Sammlungen ausgestellt werden.

Als "Die Objekte" werden besondere Sammlungsbestände der Heidecksburg gewürdigt. Hierzu gehören Neuanschaffungen, besonders schöne und historisch interessante Objekte oder aber auch restaurierungsbedürftige Sammlungsbestände.

 

Sächsische Siegelerden, Mitte 18. Jahrhundert

Das Kurfürstentum Sachsen beschäftigte ab 1709 sogenannte Edelsteininspektoren, die das Territorium nach wertvollen Schmucksteinen absuchen sollten. Einer dieser Inspektoren war der Geologe und Mineraloge David Frenzel (1691 – 1772), der den Chemnitzer Raum auf Edelsteinvorkommen untersuchte. Während seiner Arbeit sammelte er auch Erden von verschiedenen sächsischen Fundorten und siegelte diese. In den naturhistorischen Sammlungen, die aus dem Fürstlich-Schwarzburgischen Naturalienkabinett hervorgingen, haben sich 280 dieser Siegelerden-Presslinge erhalten. Sie zeigen zwei gekreuzte Kurschwerter in floraler Umrandung ebenso wie das Kürzel „D.F.“, das auf ihren Schöpfer hindeutet. Vergleichbare gesiegelte Erden finden sich z.B. in Görlitz, Waldenburg, Dresden und Berlin. Der Begriff »Erden« steht in den Geowissenschaften für feinstkörnige unverfestigte Mineralgemische. Minerale sind natürlich entstandene Feststoffe mit bestimmter chemischer Zusammensetzung, deren Atome in einer Kristallstruktur angeordnet sind. Bekannt sind heute 5456 verschiedene Minerale. Die mineralogische Analyse der Siegelerden aus der Rudolstädter Sammlung durch die Bergakademie Freiberg ergab eine Mineralzusammensetzung von jeweils mindestens fünf verschiedenen Mineralen, teilweise bis zu 15. Dies lässt den Schluss zu, dass die Siegel direkt aus den Vorkommen, ohne Aufbereitung, hergestellt wurden. Siegelerden,
 Inv.Nr. NK 23
Mineralische Erden werden seit Menschengedenken gegen innere und äußere Beschwerden verwendet und sind auch unter dem Namen Heil- bzw. Wundererde geläufig.In der Antike war die „Terra sigillata“ sehr beliebt, vor allem die „Terra lemnia“ von der nordägäischen Insel Lemnos, die unter Einhaltung strenger Rituale hergestellt und mit einem Ziegensymbol gestempelt wurde. Im 16. und 17. Jahrhundert gewannen auch Heilerden anderer Regionen an Bedeutung. Weiterführende Informationen zu den Siegelerden des Naturhistorischen Museums sowie eine Dokumentation der Erden sind in den Rudolstädter naturhistorischen Schriften 23 nachlesbar.  

Die vergangenen Objekte des Monats finden Sie in unserem Archiv.


Buchtipp

Buchcover: Schloss Heidecksburg. Die Sammlungen

Schloss Heidecksburg.
Die Sammlungen

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