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Des Fürstens Querflöte, 1705

Zu den wertvollsten Instrumenten in den Sammlungen gehört eine von Johannes Scherer in Butzbach um 1705 gefertigte Traversflöte (Querflöte). Scherer, der zu den bedeutendsten Instrumentenbauern seiner Zeit gehörte, hatte die 1659 gegründete Werkstatt von seinem Vater übernommen. Als Drechsler und Pfeifenmacher fertigte er vor allem mehrteilige Traversflöten. Selbst der preußische König Friedrich II. ließ sich bei Scherer ein solches Instrument aus Elfenbein bauen, das sich heute im Musikinstrumentenmuseum Berlin befindet. Johannes Scherer,
 Vierteilige Traversflöte,
 um 1705,
 Buchsbaumholz,
 Elfenbein,
 Silber,
 Messing,
 Hanf,
 Brandstempel „SCHERER“ und aufrechtstehender Löwe

Es erscheint ziemlich sicher, dass diese Flöte dem Fürsten Johann Friedrich von Schwarzburg-Rudolstadt gehörte. Mit Leidenschaft spielte dieser seit seiner frühen Jugend ein solches Instrument. Immerhin wird auch in den archivalischen Quellen darüber berichtet. Da sich die Erziehung und Ausbildung des Prinzen nicht einfach gestaltete, schickte ihn sein Vater, Fürst Friedrich Anton, im Jahre 1726 für mehrere Wochen zu dem Hofprediger Nikolaus North nach Stadtilm. Nach wenigen Tagen berichtete North resignierend an den Rudolstädter Hof: "Der Prinz ist lebhaft und ungebändigt. Sitzt in Stadtilm auf dem Koffer und trommelt mit Händen und Füßen, als Hofrath von Hertenberg eintrifft. Er bläst gern Flöte und hat ein Mundstück auf sein Blasrohr gesteckt und bläst stundenlang."

Schließlich ist eine solche mehrteilige Traversflöte auch auf der Scagliola-Tischplatte (Stuckmarmor mit Einlegearbeiten) dargestellt, die der Erbprinz Johann Friedrich um 1744 als Geschenk erhielt. Neben der Flöte sind weiterhin ein geöffneter Brief mit Widmung an den Prinzen, Zirkel und Winkelmesser auf einer Bauzeichnung liegend, Scacliola-Tischplatte mit Abbildung der Traversflöte,
 um 1744 (Inv.Nr. Kg 1632)ein Notenheft mit einem Menuett von Pietro Antonio Locatelli, ein Tintenfass und ein Blumenstrauß zu sehen. Symbolisch sollen die dargestellten Gegenstände auf die musischen und wissenschaftlichen Fähigkeiten Johann Friedrichs weisen. Schließlich thematisierte Johann Ernst Heinsius mit dem 1762/64 entstandenen Gemälde "Die Musik", das für den Grünen Saal der Heidecksburg geschaffen wurde, die Leidenschaft des Fürsten auf einer Traversflöte zu musizieren. [LU]

Mit einer Sonderausstellung im Grafischen Kabinett vom 23. April bis 27. Juni 2021 begehen wir in diesem Jahr das 300. Geburtstagsjubiläum des Johann Friedrich von Schwarzburg-Rudolstadt. Er wurde am 8. Januar 1721 geboren.

 

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