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Die Frierende von Jean Antoine Houdon, um 1789

Einer der bedeutendsten französischen Porträtbildhauer Jean Antoine Houdon (1741-1828) gehörte zu jenen Künstlern der Zeit, deren Privileg darin bestand, ihre neuesten Werke regelmäßig im „Pariser“ Salon, einer berühmten Zweijahresausstellung von Mitgliedern der Akademie, ausstellen zu dürfen. Oft vergingen Jahre, bis die Plastiken aus Gips in andere Materialien umgesetzt oder in Bronze gegossen wurden. Die Annahme der von Houdon 1781 geschaffenen Statue „Allegorie des Winters“ verweigerte im Jahre 1783 der Salon, wohl wegen der erotischen Darstellung eines fast unbekleideten Mädchens, welches ihren Körper nur unter einem Schleier verbirgt. In der traditionellen Ikonographie verkörpert die Darstellung des Winters meist eine alte Frau.
Die sinnliche Ausstrahlung der Figur lässt diese zu den meist kopierten nicht antiken Statuen des 18. Jahrhunderts werden. Im Bestand des Museums befindet sich aus der Sammlung des Fürsten Ludwig Friedrich II. von Schwarzburg-Rudolstadt (1767-1807) eine Ausführung in "Ludwigsluster Carton" und ist im Bänderzimmer ausgestellt. Das Anfertigen von Papiermaché war in der Zeit nicht neu. Die Frierende von Jean Antoine Houdon, Papiermaché um 1789 (Inv.Nr. P 34)Vermutlich entwickelte man aus praktischen Gründen ein eigenes Verfahren der Papiermaché-Herstellung im Zusammenhang mit dem Neubau von Schloss Ludwigslust, da dem Bauherrn Herzog Friedrich von Mecklenburg-Schwerin (1717-1785) nur begrenzt finanzielle Mittel zur Verfügung standen. Das spezielle Material Papiermaché diente als Ersatz für die Innendekoration sowie für Statuen zur Ausgestaltung der Parkanlagen. Mit der Fertigstellung des Schlosses wurde die Cartonfabrik nicht geschlossen. Nach langem Experimentieren, um in großer Stückzahl und kostengünstig zu arbeiten, führte Johann Bachmann um 1783 die Fabrik als selbstständiges Unternehmen mit vielfältigen Produkten weiter.

Anlässlich des Deutsch-Französischen Jahres 2013 veranstalten die Schatzkammer Thüringen und ihre Partner gemeinsam mit dem Institut français (Erfurt) vom 19. bis 22. November 2013 eine Vortragsreihe zum Schaffen Houdons und seiner engen Verbindung nach Thüringen.

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