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Plakat zur II. West-Ost-Schau Deutscher Grafik, 1957

In Vorbereitung der kommenden Sonderausstellung "Wunderkammer Heidecksburg" begutachteten wir die Plakatsammlung. Darunter befindet sich eine ganze Reihe ansprechender Plakate aus der Anfangszeit der Staatlichen Museen Heidecksburg, die 1950 gegründet wurden. Die Werbung aus dem Jahr 1957 zur Sonderausstellung "II. West-Ost-Schau Deutscher Grafik" zeigt einen Holzschnitt von Wilhelm Geissler (1895 – 1977) unter dem Titel "Er und Sie". Dieser deutsche Grafiker lebte zwischen 1922 und 1929 in Rudolstadt und gehörte zu einer Gruppe von Künstler, deren zeitgenössische Werke als Illustrationen in den Büchern des Greifenverlages wieder zu finden sind. Herr Jochen Breternitz (1928 – 2010), ein in den 1950er und 1960er Jahren für das Museum arbeitender Gebrauchsgrafiker, schnitt sauber und akkurat jeden einzelnen Buchstaben in Linoleum.

In den Jahren 1956 und 1957 organisierte das Museum in Zusammenarbeit mit dem Greifenverlag  im Schloss Heidecksburg jeweils eine Sonderausstellung mit dem Titel "West-Ost-Schau Deutscher Grafik". Über einen gesamtdeutschen Aufruf erreichten die Jury unter Leitung von Karl Dietz (1890 – 1964)  1 000 Arbeiten von denen 177 für die Präsentation ausgewählt wurden. 60 Arbeiten erschienen gedruckt im  "Greifenkalender", einem Jahresbuch für Kunst. Die Ausstellungen vermittelten ein Bild des grafischen Schaffens der Gegenwart als gesamtdeutsches kulturelles Ereignis mit mehr als 100 Künstlern aus beiden Teilen Deutschlands. Beteiligt waren Künstler mit Rang und Namen wie z.B. Conrad Felixmüller, Otto Dix oder Josef Hegenbarth aber auch talentierter Nachwuchs. In Pressemitteilungen dieser Zeit ist Kritisches zur Thematik der Arbeiten sowie der Präsentation zu lesen. In der Ansprache von Karl Dietz zur Eröffnung 1957 heißt es: "…Die Besucher möchten sich die Ausstellung daraufhin betrachten, ob sie die Wirklichkeit unserer Tage spiegele, ob sie die Arbeit, Sorgen und Freuden unserer Menschen zeige und die Leistung, die sie stolz mache." Ein Freund des Greifenverlages aus Hannover erwähnte: "Kunst sei nicht in Richtungen zu zwingen; zu ihren Aufgaben gehöre es, das Leben wertvoller zu gestalten, für die Verständigung innerhalb  der Völker, für die Erhaltung des Friedens einzutreten." (Thüringer Landeszeitung 28. September 1957)

Jeanette Lauterbach
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Buchcover: Schloss Heidecksburg. Die Sammlungen

Schloss Heidecksburg.
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