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Silberscheuerin Antonie Emilie Schubert, 1734

Johann Christoph Morgenstern wurde am 11. August 1697 in Altenburg geboren. Wenn auch bisher nur wenig über das Leben des Künstlers bekannt ist, gibt ein von ihm angelegtes kleines Werkverzeichnis Auskunft über sein Schaffen als Maler. Für die kunstgeschichtliche Forschung stellt dieses sogenannte "Malerbüchlein" eines der interessantesten Dokumente dar. Gleich einem Buchhalter vermerkte Morgenstern in ihm all jene Bildnisse, die er, beginnend mit dem Jahre 1718, bis zu seinem Tode malte. Auf der ersten Seite steht der Eintrag: "Anno 1712 bin ich bey Tobias Pfeiffern in altenburg in die Lehre kommen aufs Jahr auch von 1715 biß 1718 Geselle bey Ihm gewesen".

Nachdem er ausgelernt hatte, schloss sich eine dreijährige Gesellenzeit bei dem gleichen Meister an. In Altenburg muss sich Morgenstern einen guten Ruf als Porträtist erworben haben, denn zahlreiche Aufträge aus dem Adel, dem Beamten- und Bürgertum ergingen in dieser Zeit an den jungen Maler. Johann Christoph Morgenstern, der nach 1720 für den herzoglichen Hof in Saalfeld arbeitete, ließ sich Pfingsten 1725 in Rudolstadt nieder. Offensichtlich wurde er von Sophie Wilhelmine von Sachsen-Coburg-Saalfeld (1693-1727), der ersten Frau des Fürsten Friedrich Anton (1692-1744), an den schwarzburgischen Hof gerufen. 1731 wird Morgenstern in den Akten als Kammerdiener und Porträtmaler bezeichnet. Erst fünf Jahre später durfte er den Titel Hofmaler führen. Johann Christoph Morgenstern (1697-1767),
 Bildnis der Silberscheuerin Antonie Emilie Schubert (1662-1742) Öl auf Leinwand,
 1734

Im Å’uvre Morgensterns zeichnen sich einige Bilder durch ihre besondere malerische Qualität aus. Zu ihnen gehört das im Jahre 1734 entstandene Porträt der Silberscheuerin Antonie Emilie Schubert (1662-1742). Treffend vermochte Morgenstern das menschliche Wesen der Frau zu charakterisieren. In ein graues Gewand gekleidet sitzt die Dargestellte selbstbewusst an einem Tisch und präsentiert gleich einem Attribut eine gescheuerte Silberschale mit -krug. Sämtliche Details sind realistisch herausgearbeitet: So vermittelt das frische Inkarnat des Gesichtes trotz aller Falten und Runzeln eine bemerkenswerte Lebendigkeit. Kostbar wirken die Haube, der um die Schultern geschlungene spitzenbesetzte Seidenschal und das Halsband mit Perlen und Smaragden. Sie verleihen der Alten eine zeremonielle Würde, die für das Bildnis einer Hofbediensteten überraschend ist.

Zwei bedeutende Werke aus der Gemäldesammlung der Malerfamilie Morgenstern, ein Familienbild des Rudolstädter Fürstenhauses und die Silberscheuerin Antonie Emilie Schubert werden als Leihgabe ab dem 12. September 2019 im Historischen Museum Frankfurt in der Sonderausstellung "Meisterstücke - vom Handwerk der Maler" präsentiert.

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