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Stilvolle High Heels für den eleganten Herren, Frankreich/Italien um 1680

Die Eleganz von Kleidern und Accessoires der barocken Mode wurde durch den französischen Hof stark beeinflusst und zeigt sich in der Verarbeitung von prunkvollen Materialien wie Brokat, bestickte Seide und ausgesuchte Leder. Aufwendige Verzierungen an  sorgfältig ausgeführten Stickereien, silberne Applikationen und glänzende Spangen mit Edelsteinen besetzt, schmückten das stilvolle Schuhwerk. Sowohl Männer als auch Frauen trugen hohe Absätze und zeigten damit ihren erhabenen gesellschaftlichen Stand. Zu den besonderen Kreationen gegen Anfang des 17. Jahrhunderts zählen die slap-sol shoes. Damit die Absätze nicht im Schlamm versinken, wurde eine Sohle unter dem Schuh, teilweise nur am Ballen befestigt, so dass es beim Laufen klapperte. Daher auch der Name slap-sol = Schlagsole. Die quadratische Fußspitze überragt leicht die mit Filz belegte Schlagsohle. Das Obermaterial aus weichem Ziegenleder ist filigran mit Silbergarnen und Pailletten verziert. Eine silberne Spitzenborte verläuft über den Spann, betont die Formen an der hohen Lasche und zieht sich über dem Leder bezogenen Louis-Absatz aus Holz. Die Schmuckspange fehlt. Slap-sol shoes für Herren,
 Frankreich um 1680,
 Inv.Nr. Kg 0800

Es ist schwer vorstellbar, dass sich der Besitzer mit diesem hier im Sammlungsbestand erhaltenem Paar jemals auf schlammigen Boden bewegte. Solch pompöses wohlgeformtes Schuhwerk setzte Akzente im Antlitz eines modisch gekleideten Mannes mit Kniehosen und ist bis heute eine Augenweide. Vergleichbare Modelle haben sich z.B. im Museum of Fine Arts in Boston oder in der Königlichen Rüstkammer in Stockholm erhalten. Mit großer Wahrscheinlichkeit stammen die Schuhe aus dem Besitz des Prinzen Ludwig Friedrich von Schwarzburg-Rudolstadt (1667-1710-1718), der sich in den Jahren 1687/88 während seiner Bildungsreise ein Jahr in Paris aufhielt und in Versailles dem französischen König Ludwig XIV. seine Aufwartung machen durfte. Dort verbrachte er seine Zeit in den höchsten gesellschaftlichen Kreisen der europäischen Welt. Für diesen Aufenthalt bekam der Prinz genügend Taschengeld vom Vater Graf Albert Anton von Schwarzburg-Rudolstadt (1641-1662-1710) zur Verfügung gestellt und verschiedenste Sachen nach der neuesten Mode gelangten aus Paris an den Rudolstädter Hof.

Jeanette Lauterbach
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Buchtipp

Buchcover: Schloss Heidecksburg. Die Sammlungen

Schloss Heidecksburg.
Die Sammlungen

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