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Vom Ausstopfer zum Präparator - ein seltenes Berufsbild

Frühe Präparationstechniken, ein einfaches "Ausstopfen" der Häute, waren zwar Mittel zum Zweck, um Tiere auf Dauer zu konservieren und für Naturalienkabinette, Kunst- und Wunderkammern ihrer Zeit, ausstellbar zu machen, doch hinterließen sie meist keine besonders naturnahen Ergebnisse – je nach Kunstfertigkeit des jeweiligen "Ausstopfers". Steife Posen, starrer Blick – bei der Betrachtung historischer Tierpräparate zeigen sich nur allzu oft bizarr wirkende, verformte Hüllen einstiger Lebewesen. In keiner Weise spiegelten frühe Stopfpräparate das natürliche Wesen der Tiere wider. Doch viele talentierte Präparatoren arbeiteten daran, ungenügende Techniken zu verfeinern. Unterstützt wurde die Entwicklung neuer Methoden vor allem im 18. und 19. Jahrhundert durch einen rasanten Wissenszuwachs der naturwissenschaftlichen Disziplinen. Der deutsche Naturforscher und Präparator Philipp Leopold Martin gilt als einer der Vorreiter einer modernen, noch heute angewendeten Technik – der Dermoplastik. Er erkannte, dass die Vermittlung von Naturwissen durch realitätsnahe Präparation besonders bedeutsam ist. Philipp Leopold Martin,
 Nandupärchen Rhea americana,
 1880,
 aus Südamerika vermutlich über Amsterdam

Einige Dermoplastiken aus der Hand Martins fanden bemerkenswerterweise auch den Weg in das Fürstliche Naturalienkabinett nach Rudolstadt, beauftragt durch den damaligen Kustos des Kabinettes, Julius Speerschneider. Aus dem Naturalienhandel erworbene Tiere erhielt Martin als Präparationsauftrag. Hierzu zählte auch ein Pärchen Nandus, das er im Jahre 1880 zusammen mit einigen anderen Vogelpräparaten aufstellte und nach Rudolstadt zurücksendete.

Aus dem Briefwechsel zwischen Martin und Speerschneider geht die Sorgfalt hervor, mit der der in Stuttgart tätige Präparator die Tiere vorbereitete und auf ihren Rückweg schickte, nebst Anleitung zur Entfernung der Bandagen und Transportverpackung. "Die beiden Nandus habe ich so gestellt, daß sie gegenübergestellt werden können u. ein Bild liefern werden." Je 60 Mark kostete die Präparation pro Tier. Bis heute zeugen die beiden Nandus von der qualitätsvollen Präparation, lediglich die originalen Podeste sind nicht erhalten geblieben.  

Dr. Sandy Reinhard

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