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Von der Unbeschwertheit zum Ernst, nach 1622

Dieser 400 Jahre alte Kupferstich wird interessant, wenn sich der Betrachter in Details vertieft. Emporragende Türme sowie mehrstöckige Häuser, welche den Platz im Hintergrund umrahmen, geben Hinweis auf eine reiche Stadt. Die hohen Bäume im Park tragen noch keine Blätter und zahlreiche, spielende Kinder sind in warme, modische Gewänder der Zeit gekleidet. Inv.Nr. Gr 1252.1965Das Blatt ist nach Vorbild eines Gemäldes von Adrian Pietersz van de Venne (1589-1662) gefertigt und wurde in Jacob Cats: Silenus Alcibiadis Sive Proteus... Amsterdam nach 1622 [244 Seiten] veröffentlicht. Neben van de Venne werden die niederländischen Künstler Frans Schillemans und Jan Gerrits Swelinck erwähnt. Der Band enthält eine Sammlung von 51 Emblemen, sinnbildliche Darstellungen über Lehren der Sitten, und den gefalteten Kupferstich des Kinderspiels mit der Beschriftung in Niederländisch und Latein "Kinder spel gheduijdet tot Sinne-beelden ende Leere der Seden/ Ex nugis seria" [Von der Unbeschwertheit zum Ernst] Links des Weges hüpfen Kinder über das Seil, spielen mit dem Steckenpferd üben Kopfstand und ein Junge versucht mit der Schnur einen Kreisel zum Drehen zu bringen. Ganz rechts laufen Kinder auf Stelzen. Kugeln fliegen im Vordergrund durch die Luft, vermutlich Seifenblasen, denn in der anderen Hand hält das Kind ein Röhrchen. Zu sehen sind fein gekleidete Mädchen mit einem Puppenhaus und –möbeln, ebenso wie das lange Zeit beliebte Spiel mit Murmeln. Inv.Nr. Gr 1252.1965 (Detail)Weiter abseits vertreiben sich drei Jungen die Zeit mit dem Geschicklichkeits- und Würfelspiel Astragaloi, ein damals auch bei armen Kindern weit verbreitetes Spiel mit Knochen, speziell dem Sprunggelenk von Schafen. Diese dienten als Würfel. Je nach dem auf welcher Seite sie zum Stehen kamen, gab es eine bestimmt Punktanzahl, z.B. auf der Schmalseite die meisten. Die Provenienz dieses Einzelblattes aus der graphischen Sammlung ist bisher nicht bekannt.

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Buchcover: Schloss Heidecksburg. Die Sammlungen

Schloss Heidecksburg.
Die Sammlungen

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