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Die Festräume

Leichtigkeit und Eleganz des Rokoko

Die für das höfische Zeremoniell wichtigen Räume ordnete der Baumeister Johann Christoph Knöffel im Hauptgeschoss des Westflügels an. Er schuf Raumgruppen im Stile des Barock, die den unterschiedlichen Erfordernissen des höfischen Lebens Rechnung trugen. Nachdem Johann Gottfried Krohne 1742 die Bauleitung übernahm, wandelte dieser die von Knöffel geplante Innenarchitektur ab. So entstanden Räume, die die Leichtigkeit des süddeutschen Rokokos ausstrahlen. Dies wird in der sogenannten Roten und Grünen Raumfolge - den Appartments des Fürsten und der Fürstin, sowie dem zentral gelegenen Festsaal sinnlich erlebbar. Die Stuckaturen von Giovanni Battista Pedrozzi, die Gemäldeausstattung und die Schnitzarbeiten an den Konsoltischen, Spiegeln und Türfüllungen vermitteln einen repräsentativen Gesamteindruck der Räume.
 

Der für die Staatsgeschäfte konzipierte Rote Saal war bereits 1741 von Johann Christoph Knöffel im Rohbau fertig gestellt. Johann Gottfried Krohne gelang es jedoch, die geplante strenge Innenarchitektur durch geringfügige Veränderungen zu beleben. An der Ostwand fügte er eine Ofennische ein, an den beiden Schmalwänden ließ er Wandvorlagen aus Stuckmarmor ausbilden. Während die nördliche Wandvorlage durch einen Konsoltisch betont wird, ist in der südlichen Wandvorlage ein Kamin eingefügt. Darüber sind dekorative Gemälde mit den in der Jahrhundertmitte beliebten Schäferszenen in die Wand eingelassen. Diese und auch die daneben hängenden Ölgemälde »Frühling« und »Herbst« sowie die Supraportengemälde schuf der sächsische Hofmaler Christian Wilhelm Ernst Dietrich. Im Jahre 1744 beauftragte der Fürst Johann Friedrich von Schwarzburg-Rudolstadt den Maler Lorenz Deisinger ein Deckenfresko mit der Allegorie der Tugenden zu malen. Erst zehn Jahre später schuf Karl Adolph Kändler die Spiegelrahmen und Konsoltische.

Dem um 1750 fertiggestellten Festsaal widmete Krohne seine besondere Aufmerksamkeit. Dieser prunkvolle Saal gehört heute zu den bedeutendsten Innenarchitekturen des Rokoko in Deutschland. Die dem Raum eigene und sich mitteilende Bewegung, hervorgerufen durch konkave und konvexe Wandschwünge, der blau, blaugrau, gelb und rotbraun schimmernde Stuckmarmor die - zum Teil vergoldeten - Rocaillen, die plastischen Arbeiten und die Gemälde lassen ihn zu einem harmonischen Gesamtkunstwerk werden. Nach den Entwürfen des Baumeisters Krohne modellierte Pedrozzi neben dem Deckenstuck auch die Stuckdekorationen an den gegliederten Lisenen, in den Ofennischen und an Teilen der Wandlfächen. Innerhalb von vier Wochen schuf der Maler Deisinger noch im Jahr 1744 das gewaltige Deckenfresko, das den im Olymp versammelten Götterrat zum Thema hat. In den unteren Arkaden konnten einerseits »Schankstühle« und andererseits die nicht in Erscheinung tretenden Zugänge zum Roten und Grünen Saal eingefügt werden. Darüber ordnete Krohne für die Hofgesellschaft Logen an. Ein von Atlanten getragener Balkon über dem Hauptzugang war der Hofkapelle vorbehalten.

Erst nach 1750 wurde die sich anschließende und für die Fürstin Bernhardine Christine Sophie von Schwarzburg-Rudolstadt bestimmte Raumfolge begonnen. Nach Krohnes Tod im Jahre 1756 konnte der Innenausbau von seinem Nachfolger, Peter Caspar Schellschläger, ohne gravierende Schwierigkeiten bis 1770 zu Ende geführt werden. Johann Ernst Heinsius schuf 1765|66 die beiden  lebensgroßen Bilder des Fürsten Johann Friedrich und seiner Gemahlin an den Schmalwänden sowie die Supraportengemälde. Auf diesen sechs quadratischen Ölbildern beschäftigen sich Damen und ihre Kavaliere mit Musik, Malerei, Bildhauerei, Architektur, Astrologie und Poesie. Da die Fürstin die Grüne Raumfolge durch ihren frühen Tod im Jahre 1757 nicht mehr nutzen konnte, erfolgte deren Umgestaltung zum Musik- und Gesellschaftszimmer.

Das Vorzimmer zu den Grünen Räumen zeigt das Rokoko in seiner späten Phase. Dunkelgrüne Leinwandtapeten, 1786 von dem Altenburger Maler Johann Andreas Gottschalk bemalt, bestimmen den Raumeindruck.

Mit dieser Galerie an der Hofseite wurde von Knöffel ein bequemer Zugang von den Vorzimmern zu allen Räumen des Westflügels geschaffen. Sie ist der Hauptzugang zum Festsaal und musste deshalb eine betont repräsentative Ausstattung erhalten. Durch den polierten Marmorboden erhält die Galerie eine festliche Note. Die graublau geäderten  Marmorplatten, die aus einem Steinbruch in der Nähe Schwarzburgs stammen, wurden 1747 verlegt.

In dem Vorzimmer zum Roten Saal hatten einst die Besucher zu warten, die zur Audienz erschienen waren. Um 1795 ließ Fürst Ludwig Friedrich II. den Raum im damals »modernen« klassizistischen Stil ausstatten.